Semuc Champey – wie bist du wirklich?

/// Lanquin – Semuc Champey, Alta Verapaz, Guatemala /// Party-Dorf oder Naturwunder oder beides? Wir hatten Unterschiedliches über Semuc Champey gehört und wollten uns selbst einen Eindruck verschaffen.

Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in Coban nahmen wir den Bus nach Lanquin. Diese Region hatten wir ursprünglich nicht auf unserem Reiseplan. Semuc Champey war öfter als Partyort beschrieben und Höhlen hatten wir ja in Raxruha gesehen. Aber waren die Candelaria-Höhlen bei Raxruha wirklich besser, als die gepriesenen Höhlen in Lanquin und Semuc Champey? Das würden wir nur wissen, wenn wir sie uns ansehen. Außerdem bekamen viele der Einheimischen so einen verträumten Blick, wenn sie über die “ naturaleza“ in Semuc erzählten. Und für andere Traveler waren diese Orte das absolute Highlight ihrer Guatemala Reise, und nicht zuletzt war es kein großer Umweg für uns. So freuten wir uns auf das milde Klima, denn beide Orte lagen ziemlich genau 1000m tiefer als Coban und Raxruha. Unser Gastgeber Roderico brachte uns zum Hof der Buscompany Transportes Martinez . Für die dreieinhalb Stunden bis Lanquin hatten wir diesmal einen richtigen Bus und einen Fahrer ohne Formel-1-Phantasien. Die Fahrt war entspannt. Abenteuerlich wurde es, als der Bus von der befestigten Straße abbog auf die Offroad-Piste, die ins Tal nach Lanquin hinabführt. Es war der offizielle und einzige Weg – etwa tausend Höhenmeter abwärts in unzähligen Serpentinen. Die Aussicht auf die Bergketten war grandios, allerdings der Blick in die Tiefe auch … Wir kamen wohlbehalten in Lanquin an. Unser Hostel am Ortsrand hatten wir vorbestellt. Für zwei Nächte wollten wir keine Zeit mit der Zimmersuche verschwenden.

Nachdem wir unsere Rucksäcke in unserem Bungalow verstaut hatten, unternahmen wir einen Rundgang durch das Dorf. Es war gerade Markttag. Die Straßen um den Platz vor der Kirche waren mit Pickups der Bauern aus der Umgegend zugestellt. Auf dem Kirchplatz das übliche Marktgeschehen. Im Ort gibt es ein Hotel und zwei oder drei Hostels. Weitere liegen außerhalb des Ortes. Wir müssen suchen, um ein lokales Restaurant für ein spätes Mittagessen zu finden.

Lanquin, Alta Verapaz, Guatemala

Lanquin, Alta Verapaz, Guatemala

Erste Zwischenbilanz: ein Partydorf ist Lanquin sicher nicht. In manchen Hostels kann man sicher feiern, mit allen erlaubten und weniger erlaubten Zutaten. Aber der Ort ist davon weitgehend unberührt.

Danach machen wir uns auf den Weg zu den Grutas de Lanquin. Gegen 18.00 sollten schließlich Schwärme von Fledermäusen am Höhleneingang den Himmel verdunkeln- so ähnlich stand es in einem unserer Reiseführer. Dieses Spektakel wollten wir uns nicht entgehen lassen, zuvor allerdings noch die Höhlen erkunden. Stirnlampen, Ersatzbatterien und Bergschuhe – wir waren vorbereitet. Ein Tuck-tuck brachte uns zum Höhleneingang außerhalb des Ortes. Der Fahrer war nett und wir vereinbarten, dass er uns gegen 18.30 wieder abholt. Wir hatten echt keine Lust in der Dunkelheit durch unbekanntes Gelände eine Stunde bis zum Ort zu laufen. Diese Entscheidung war ein großer Glücksumstand, wie sich später herausstellte.

Wir waren mal wieder die einzigen Gäste in dieser riesigen Höhle. Zweieinhalb Stunden hatten wir, um einen Teil der Höhle zu erkunden. Wir stiegen die glitschigen Stufen bis zum Höhleneingang hinauf. Ab hier sollte es Beleuchtung geben – zumindest für die ersten 200 Meter. Aber heute nicht. Zunächst schimmerte noch ein Rest Tageslicht vom Höhleneingang und dann empfing uns die Dunkelheit. Das Licht unserer Stirnlampen geisterte über skurrile Felsformationen. Langsam tasteten wir uns vorwärts, weiter in die unbekannte Finsternis. Je tiefer wir kamen, desto rutschiger wurden die Steine. Waren da Stimmen, die aus der schwarzen Tiefe der Höhle kamen? Der Schein der Stirnlampe verlor sich in den unterirdischen Sälen. Es war nicht möglich, das Ende oder die komplette Höhe der riesigen Hohlräume zu erkennen. Eine ungewöhnliche, etwas unheimliche Stimmung erfasste uns. Wir waren jetzt mehr als eine halbe Stunde in der Dunkelheit unterwegs. Weiter oder umkehren – das war jetzt die Frage. Wir gingen zunächst vorsichtig weiter. Aber als der Weg immer rutschiger wurde und damit die Sturzgefahr trotz unserer Bergschuhe zunahm, entschlossen wir uns umzukehren und die verbleibende Zeit für Fotos zu nutzen.

Grutas de Lanquin, Lanquin, Alta Verapaz, Guatemala

Grutas de Lanquin, Lanquin, Alta Verapaz, Guatemala

 

Grutas de Lanquin, Lanquin, Alta Verapaz, Guatemala

Grutas de Lanquin, Lanquin, Alta Verapaz, Guatemala

Pünktlich 17.45 Uhr waren wir wieder am Höhleneingang, denn gegen 18.00 Uhr sollte schließlich das Fledermausspektakel beginnen. Außerhalb der Höhle, den Eingang genau im Blick, warteten wir gemeinsam mit zwei deutsche Touristinnen darauf. Die Zeit verging, Viertel nach sechs. Hatten die Fledermäuse heute frei? Die paar, die sich blicken ließen, konnten wir an einer Hand abzählen. Es wurde zunehmend dunkler. Dann kam auch schon unser Fahrer. Wir fragten ihn, ob er weiß, wie das mit dem abendlichen Ausflug der Fledermäuse ist. Und – er wusste es! Er führte uns wieder hinauf in den Höhleneingang. Und da waren sie! Nicht so viele wie erwartet, aber doch ziemlich viele der kleinen Flugtiere, die aufgeregt in der Höhle umherschwirrten. Nun borgte sich der Fahrer eine Taschenlampe und richtete den Strahl auf den Höhlenausgang. Als ob die Fledermäuse nur darauf gewartet hatten, flogen sie nun blitzschnell aus allen Richtungen dem Strahl der Lampe folgend aus der Höhle. Das war echt ein beeindruckendes Schauspiel. Als wir die Höhle verließen, war es bereits dunkel und wir waren froh, dass uns unser Tuck-tuck zurück zum Ort brachte. Da der Fahrer einer der beiden Touristinnen einfach nicht gekommen war, luden wir sie ein, mit uns zu fahren. Und unser Fahrer freute sich über das sehr gute Geschäft am Abend :).

Zweite Zwischenbilanz: Es ist ein besonderes Erlebnis, gänzlich ohne Führer eine unbekannte Höhle dieser Dimension zu erkunden. Auch der Ausflug der Fledermäuse ist sehenswert. Aber die Cuevas de Candelaria haben uns mehr beeindruckt.

Der nächste Morgen sah uns kurz nach sieben Uhr auf der Piste nach Semuc Champey – wir wollten vor allen anderen dort sein und das Morgenlicht für Fotos nutzen. Es sind 11 Kilometer unbefestigte Piste von Lanquin bis Semuc Champey und das  (einzige) Transportmittel der Wahl sind 4×4-Pickups. Allerdings war kein „öffentlicher“ Pickup in Sicht und so liefen wir los. Schließlich hielt ein privater Wagen und nach einer kurzen Einigung über den Fahrpreis stiegen wir auf die Ladefläche. Die Strecke würde jeder Rallye genügen. Mehrere hundert Höhenmeter ging es steil hinauf. Oft schaffte es unser Fahrer nur mit mehreren Anläufen. Dann in engen Haarnadelkurven wieder hinab. Unser Chauffeur hatte es ein bisschen eilig. Wir rutschten auf der Ladefläche hin und her und versuchten uns an der Bordwand festzuhalten. Leider war dadurch keine Hand frei, um die unglaublich schöne Stimmung dieses Morgens mit den aus dem Tal steigenden Nebeln in Bildern festzuhalten. Nach 40 Minuten waren wir da. Der Fahrer hielt ein paar hundert Meter hinter dem Eingang zum Nationalpark, damit es keinen Ärger mit den „Offiziellen“ gibt.

Wir gingen zurück zum Parkeingang. Die Touristenpolizei saß noch beim Frühstück, aber wir fanden jemand, der uns die Tickets verkaufte. Bernd wollte die hochgelobten Wasserbecken ohne badende Menschenmassen fotografieren, ich auf dem Mirador die Stille genießen.

Auf gut ausgebauten Wegen erreicht man die Pools. Der Rio Chahabon fließt hier ins Tal und füllt eine Kaskade von Becken mit glasklarem Wasser, das durch die enthaltenen Mineralien grünlich bis türkis schimmert. Ein Großteil des Wassers verschwindet allerdings oberhalb der Becken in der Tiefe und kommt erst mehrere hundert Meter weiter unten wieder zum Vorschein. Rechts und links der Pools ragen steile Felswände in die Höhe. In flacheren Abschnitten wuchert dichter Primär-Dschungel.

Semuc Champey, Alta Verapaz, Guatemala

Semuc Champey, Alta Verapaz, Guatemala

Über einen steilen Pfad erreicht man den ca. 600 Meter höher gelegenen Mirador. Von hier bietet sich eine grandiose Sicht auf das gesamte Tal und die smaragdfarbenen Pools.

Blick vom Mirador, Semuc Champey, Alta Verapaz, Guatemala

Blick vom Mirador, Semuc Champey, Alta Verapaz, Guatemala

Gegen 10.00 Uhr belebte sich das gesamte Areal und verlor damit für uns den Zauber. Die Becken wurden von zahlreichen Badegästen erobert. Gruppen wurden auf einer „Spaßtour“ durch die Wasserbecken geführt, unter lautem Gejohle die Kaskaden hinunterrutschend. Es war Zeit, sich von diesem Ort zu verabschieden. So nahmen wir den nächsten Pickup nach Lanquin zurück.

Die Cuevas de K‘anba haben wir nicht besucht, nachdem uns ein Paar aus unserem Hostel die Tour geschildert hatte, die sie am Vortag unternommen hatten. Die Höhle an sich ist relativ eng und hat wenig zu bieten. Der Fun-Faktor besteht darin, dass man sie im Wasser mit einer Kerze in der Hand und zum Teil schwimmend durchquert. Das Ganze geht nur als gebuchte Gruppentour und auf so viel Gruppendynamik hatten wir keine Lust.

Dritte Zwischenbilanz: Semuc Champey ist kein Ort. Um den Park herum liegen einige Hostels, man ist auf deren Rundum-Versorgung angewiesen. Die Pools sind zweifelsohne recht schön und vorrangig ein Badespaß für die ganze Familie. Die Cuevas de K’anba sind Geschmackssache.

Fazit:

Lanquin und Semuc Champey sind weder die Partyhochburgen noch die Kleinode unberührter Natur. Wer touristische Infrastruktur braucht und ohne Spanisch-Kenntnisse reist, sollte Laquin/ Semuc Champey besuchen. Es liegt auf dem Gringo-Trail, d.h. man kommt gut hin und weiter. Wenn Zeit und / oder Budget restriktiert sind, sollte überlegen, ob sich der Weg dorthin lohnt, denn es gibt in Guatemala Sehenswerteres.
Wer das Abenteuer und die Ursprünglichkeit weit weg von touristischen Pfaden mag, sollte Raxruha und seine Umgebung erkunden. Dafür muss man die fehlende Infrastruktur, teils umständliche Anfahrten und organisatorische Hindernisse in Kauf nehmen. Deshalb sind Spanisch-Kenntnisse unerlässlich. Oder seine Tour mit Cesar (LINK) organisieren 😉
Insgesamt gilt, man kann die Orte nicht direkt vergleichen und bewerten, ohne zu wissen, was der einzelne sucht und braucht.
Für uns war die Frage, was schöner ist, beantwortet: Das Candelaria- Höhlensystem um Raxruha und die Laguna Lachua.

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