Rallye Rio Dulce

/// Lanquin – Rio Dulce, Guatemala ///

Der Weg von Lanquin nach Rio Dulce mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist umständlich und kaum an einem Tag zu schaffen. Da lag es nahe, ein Shuttle von einer der Agenturen zu buchen.

Von Lanquin nach Rio Dulce direkt in sechs Stunden – das war das Versprechen. Wir hatten gebucht. Bei Lanquin Services im Hotel Vinas del Chef.
Und es war wie schon so oft: Der Minivan war nicht der Versprochene und sah auch nicht so aus, wie auf dem Foto. Aber bei den Agenturen kauft man immer die Katze im Sack.
Diesmal jedoch gab es mehrere Katzen im besagten Sack. Der Van war uralt und schmutzig. Unterwegs wurde er bis zur Schmerzgrenze „aufgefüllt“. Dabei bezahlten die zugestiegenen Backpacker nur unwesentlich weniger. Normalerweise kommt es nicht heraus, da sie auf keinen Fall über ihren „Spezialpreis“ reden sollten. Dieser floss in die Taschen des Fahrers. Eine übliche Methode, allerdings nicht bei guten Agenturen. Mit fast 2h Verspätung ging es dann endlich los.

Der Fahrer nahm den „kurzen Weg“, d.h. nicht wie versprochen nur anderthalb Stunden offroad, sondern fast vier Stunden steinige, ausgewaschene Rüttelpisten in einem Auto, welches gefühlt vor Erfindung der Stoßdämpfer gebaut wurde.
Nach etwa zwei Stunden ein Halt auf freier Strecke zwischen zwei Dörfern, gut einsehbar. „Fünf Minuten“ verkündete unser Fahrer, „wer mal muss, kann sich ein Gebüsch am Pistenrand suchen.“ Davon gab es allerdings nicht viele.

Als wir nach vier Stunden endlich eine befestigte Straße erreichten und nicht mehr mit dem Van steinige Abhänge herunter rutschen mussten, stellte der Fahrer fest, dass er eine Reifenpanne hat. Alle aussteigen. Das Ersatzrad lag unter dem Gepäck auf dem Dach und war in genauso zweifelhaftem Zustand wie die drei verbliebenen. Das Rad war schnell gewechselt und es ging, nun seeehr zügig weiter. Nach einer halben Stunde steuerten wir eine Tankstelle an. Nein, nicht etwa um den Reifendruck zu prüfen. Nein, der Fahrer hatte Hunger. Schön, wir vertraten uns die Beine und benutzen das Banjo.

Danach begann der zweite Teil der Horrorfahrt. Da ich vorn saß, hatte ich den Tacho im Blick. Der Fahrer wollte die knapp zwei Stunden, die er mit privaten Geschäften vertrödelt hatte, wieder herausholen. Er fuhr wie ein Todessüchtiger. Um schlecht einsehbare, gefährliche Kurven schleuderte er mit 80km/h und quietschenden Reifen. Der Reifendruck war für ihn eher eine vernachlässigbare Größe. Auf Strecken in Ortschaften mit Geschwindigkeitsbegrenzung von 40 km/h reduzierte er seine Geschwindigkeit immerhin auf 120 km/h. Mir wurde es zu bunt und ich erklärte ihm, dass er in Deutschland keine Fahrerlaubnis mehr hätte und hohe Strafen zahlen müsste, weil er das Leben der Fahrgäste bedroht. Inclusive meines Lebens, da der Sicherheitsgurt abgeschnitten war. Für eine kurze Zeit fuhr er ruhiger, da er noch mehr von Deutschland wissen wollte. Dann gab er wieder Gas …

Eine Stunde später hatten wir es geschafft. Wir waren in Rio Dulce angekommen. Der Fahrer hielt an einer Straßenecke kurz vor dem Pier und versuchte Trinkgeld einzufordern. Als er nach 5 Minuten nichts bekam, fuhr er erbost die letzten Meter zum Pier. Unglaublich.

Jeder schnappte sich seinen Rucksack und war froh, heil angekommen zu sein.

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