Irgendwo im Nirgendwo – Raxruha

/// Raxruha, Guatemala /// die untouristische Gegend um Raxruha im Osten Guatemalas hält für die Besucher spektakuläre Höhlen, einsame Ruinen und eine 220 m tiefe, perfekt kreisrunde Lagune inmitten des Dschungels bereit.

Bevor jedoch auch wir Lanquin und Semuc Champey besuchen, wollten wir von Coban aus nach Raxruja, was in Qeqchi so viel wie „grünes Wasser“ bedeutet. Im Umland von Raxruja sollte es einige spektakuläre Plätze geben, die weit abseits der touristischen Pfade liegen – das Höhlensystem Candelaria, die Ausgrabungsstätte Cancuen und die heilige Laguna Lachuga.

So brachte uns Roderico früh morgens zum „Terminal el Norte“, einem schmutzigen Parkplatz, von wo die Vans nach Raxruja abfuhren. Eigentlich wollten wir lieber einen etwas größeren Van mit einer Spur von Profil in den Reifen, aber wir landeten in einem ziemlich abgewrackten Teil. Der Grund war einfach – er fuhr zuerst und musste voll werden, ehe der nächste Fahrgäste aufnehmen durfte. Die Sorgen über schlechte Reifen machten wir uns deshalb, weil die Strecke zwischen Coban und Raxruja durch das Bergland führt und extrem steil, kurvig und bei Regen sehr rutschig ist. Sie zählt zu den gefährlichsten Strecken in Guatemala mit fast wöchentlich schweren Unfällen. Ölsardinen gleich saßen wir gut “ verpackt“ im überladenen Van, als wir dann endlich losfuhren. Plötzlich stupste eine feuchte Schnauze an mein Bein. Ich sah hinunter und entdeckte einen kleinen Hund in einer Einkaufstüte. Mein Nachbar hatte eine dünne Leine in der Hand. Er hieß Victor und sein Hund Frieda. „Frida“, lachte ich, “ das ist ein deutscher Name, wir sind aus Deutschland.“ Nun wollte Victor die Bedeutung des Namens wissen. Da musste ich allerdings passen und Wikipedia war nicht erreichbar. Frieda war augenscheinlich mit meinem Geruch einverstanden und machte es sich auf meinen Bergschuhen bequem, weil es keinen Platz zwischen den Füßen gab. Der Fahrstil war schlicht und ergreifend gefährlich. Anscheinend sehen alle Busfahrer in Mittelamerika zu viele Formel-Eins-Rennen. Gott sei Dank vergingen die drei Stunden Fahrt ohne Zwischenfälle.

Raxruha wurde in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts „gegründet“ durch die Um- bzw. Ansiedlung von Familien aus verschiedenen Teilen Guatemalas. Die prosperierende Landwirtschaft brauchte Arbeitskräfte. Heute stellt sich Raxruha als staubiges Straßendorf an der wichtigen Ost-West-Tangente Ruta #5 dar. Es ist das Zentrum der Großgemeinde Raxruha. Hier gibt es ein paar Geschäfte, abgestimmt auf den Bedarf der Farmer und Bauern der Umgegend, zwei oder drei Comedores und zwei Hotels. Cowboyhut, Machete und Gummistiefel gehören zur Standard-Ausstattung der männlichen Einwohner von Raxruha.

Morgenstimmung, Raxruha, Alta Verapaz, Guatemala

Morgenstimmung, Raxruha, Alta Verapaz, Guatemala

Auf unsere Anfrage hielt der Bus direkt vor unserem avisierten Hotel “ Cancuen“.

Hotel "Cancuen", Raxruha, Alta Verapaz, Guatemala

Hotel „Cancuen“, Raxruha, Alta Verapaz, Guatemala

Der Hotelmanager Cesar junior, sehr freundlich und fließend Englisch sprechend, erwartete uns schon. „Vier Nächte wollt ihr bleiben. Was steht auf eurem Programm? Wenn ihr Hilfe braucht, ich bin 24 Stunden hier“, begrüßte er uns. Über die angebotene Hilfe waren wir sehr froh. Wir wollten am nächsten Tag zwei Abschnitte des Candelaria-Höhlensystems besuchen und die Organisation / Kommunikation mit einem Guide aus dem Qeqchi-Dorf Mucbilha hatte sich schon im Vorfeld als sehr schwierig erwiesen.

„Morgen wollen wir in die Höhlen „El Mico“ und „Verano Seco“, die von Mucbilha aus begangen werden. Der Kontakt zum Guide der Community ist abgebrochen. Kannst du bitte anrufen? Und wie kommen wir hin?“

Der Privattransport sollte glatt das Zehnfache des üblichen Pickup-Transports kosten. Caesar erklärte uns den Grund: es gibt kaum Touristen hier. Und kommen mal welche, verlangen die Einheimischen dann mal schnell den Preis, den sie für „angemessen“ halten. Das sollten wir immer bedenken und besser vorher den üblichen Preis bei ihm erfragen. Nebenbei – schnell  mussten wir lernen, dass uns das auch nicht immer nutzte. Um es vorweg zu nehmen: bis auf die große Ausnahme „Cesar“ war das Verhalten der Leute in und um Raxruja eher touristenunfreundlich, sodass man sich nicht sehr willkommen fühlte. Es war bisher das erste Mal auf unserer gesamten Reise, dass wir das erlebten.

Nach vielen frustrierenden Telefonaten kamen wir gemeinsam zu dem Schluss, dass wir früh den Pickup nehmen, der um sieben Uhr ins Dorf fährt. Dann wollten wir vor Ort weitersehen. Cesar lächelte und wünschte uns viel Glück.

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