Coban – spektakulär unspektakulär

/// Coban, Alto Verapaz, Guatemala /// Coban hat nicht viel zu bieten, außer dem ganz normalen Leben in einer ganz normalen guatemaltekischen Provinzstadt. Und genau das ist sein Charme.

Nach dem Aufstieg auf den Acatenango zog es uns weiter in den eher untouristischen Norden. Coban, sechs Stunden nördlich von Antigua gelegen, war unser Ziel. Coban ist eine mittelgroße Stadt im hügeligen und grünen Alto Verapaz. Kaffe- und Kardamon-Plantagen bestimmen das Bild im Umland. Zunehmend auch Palmenplantagen zur Gewinnung von Palmöl. Ansonsten hat Coban alles, was eine mittelamerikanische Stadt ausmacht: einen Zentralplatz,

Plaza principal, Coban, Alta Verapaz, Guatemala

Plaza principal, Coban, Alta Verapaz, Guatemala

eine Kathedrale,

Kathedrale, Coban, Alta Verapaz, Guatemala

Kathedrale, Coban, Alta Verapaz, Guatemala

einen Mercado und unzählige Straßenhändler in den belebten Straßen des Zentrums.

Straßenmarkt, Coban, Alta Verapaz, Guatemala

Straßenmarkt, Coban, Alta Verapaz, Guatemala

Drei Blocks weiter, verläuft das Leben schon bedeutend ruhiger. Überwiegend einstöckige Häuser, wenig Verkehr. Eine Besonderheit verzeichnet Coban in der Bezeichnung der Straßen. Alle Avenidas und Calles gibt es doppelt, gespiegelt an der Hauptachse. So muss man auch immer wissen, in welcher Zona die gesuchte Adresse liegt. Coban war auch das Ziel deutscher Auswanderer im 19. und 20. Jahrhundert. In mehreren Wellen kamen europäische Auswanderer in die Gegend um Coban, unter ihnen viele Deutsche und Italiener. Sie ließen sich hier nieder und wurden erfolgreiche Plantagenbesitzer. Da viele vor und während des zweiten Weltkrieges aktive Unterstützer des Hitler-Regimes waren, wurden sie auf Betreiben der USA enteignet und deportiert. Trotzdem ist noch einiges an deutschen Wurzeln sichtbar. So kommt es, dass man auf Personen trifft, die wie Mayas aussehen und Namen wie Wagner oder Heinrich tragen oder nordeuropäisch aussehende Guatemalteken mit Namen wie Alvarez oder Rodriguez. Insbesondere deutsche Vornamen erfreuen sich hoher Popularität.

Wenn es überhaupt Touristen hierher verschlägt, dann nur für eine kurze Unterbrechung auf dem Weg nach Tikal oder Lanquin/ Semuc Champey. Wir hingegen tauchen gern in solch eine wenig touristische Atmosphäre ein. Man bekommt einen, wenn auch flüchtigen, Einblick in das normale Leben in einer mittelgroßen guatemaltekischen Stadt. Oft kommt man mit den Einheimischen ins Gespräch und erfährt spannendes über die Gegend, ihre Probleme, aber auch über Sitten und Gebräuche. So erzählte uns Victor aus Venezuela, der mit seiner Frau in Coban ein Hamburger-Bistro betreibt (die leckersten Burger in Coban) von der Situation in seinem Heimatland und wie sie hier in Coban Fuß gefasst haben. Roderico, unser Gastgeber in der Casa Q’eqchi‘, gab uns einen Einblick in die Probleme, mit denen die Mayas nach wie vor in ihrem eigenen Land konfrontiert sind: unterrepräsentiert in allen Verwaltungsebenen, oft als Landlose gezwungen, sich auf den Plantagen und Fincas zu verdingen und ihre Sprache und Kultur im Bildungssystem kaum integriert. Und Carlos und Ester, seit einem Jahr Betreiber des Steakrestaurants „Sedano‘s“, sprachen mit uns über die „Asado-Kultur“ in Guatemala, die Vorlieben für Salsas picantes zu allen Speisen und ihren Anspruch, qualitativ hochwertige Speisen anzubieten. Außerdem gibt es oft verbale „Streicheleinheiten“, wenn die Einheimischen erfahren, dass wir aus Deutschland kommen, denn Deutschland genießt sehr viel Achtung hier.

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