Quetzaltenango – „der Ort, wo der Quetzal wohnt“

/// Quetzaltenango, im Hochland von Guatemala ///

Quetzaltenango – „der Ort, wo der Quetzal wohnt“ oder “ Xelaju“ -. “ unter zehn Bergen“, wie der ursprüngliche Name in der Sprache der Mayas lautet, ist landesweit bekannt als „Xela“ und liegt im nordwestlichen Hochland von Guatemala.

Wir kommen am zeitigen Nachmittag in Xela an. Die Sonne wärmt, jedoch im Schatten ist es ziemlich kühl. Wir sind halt auf 2367m über NN. In unserem Hostel können wir ein Zimmer auswählen. Entweder laut und etwas wärmer, da es Holzwände hat, oder leise und kälter, da die Wände aus Beton sind. Wir entscheiden uns für das leisere Zimmer, denn noch scheint die Sonne auf den kleinen Hof….

Da wir etwas länger hier in Xela bleiben wollen, gehen wir auf Quartiersuche. Wir hatten einen Tipp bekommen: die Sprachschule “ Casa Xelaju“ vermietet auch Apartments an Nicht-Schüler. Schnell ist die Schule gefunden. Aber es ist Sonnabend und alles ist verschlossen. Wir rütteln und klopfen an jeder Tür des großen Komplexes, bis eine sich öffnet. Ein freundlicher älterer Mann fragt, was wir suchen. Ein Apartment? Ja, hat er und sein Name ist Carlos, „Willkommen“. Einen so netten Empfang hatten wir nicht erwartet. Carlos zeigt uns geduldig alle freien Apartments, zuletzt eines ganz oben mit fast 360 Grad Panoramablick. Das ist „Liebe auf den ersten Blick“. Wir fragen, ob wir morgen einziehen können. „Claro, kein Problem.“ Und für die kalten Nächte gibt er uns noch einen Heizlüfter, damit wir nicht frieren, fügt er noch hinzu. Die Aussicht auf ein sonnendurchflutetes Apartment mit eigener Küche und Schlafzimmer macht uns Xela sofort sympathisch. Eigene vier Wände und leise, das ist nach knapp 4 Monaten Unterwegssein der pure Luxus. Und eine eigene Küche. Endlich können wir auf den Märkten das viele frische Obst und Gemüse kaufen und selbst zubereiten.

Beschwingt erkunden wir noch die Altstadt und merken sehr schnell, wie es empfindlich kalt wird, wenn die Sonne weg ist. Ein wenig gruselt es uns, in das kalte Zimmer im Hostel zurückzukehren, aber es ist ja nur für die eine Nacht. Der Umzug am nächsten Tag ist schnell erledigt. Danach machen wir einen Großeinkauf auf dem Markt und im Supermarkt und kehren schwer beladen zurück. Carlos fragt, ob wir noch irgendetwas brauchen. Aber wir sind wunschlos glücklich. Bei Rotwein und „Spaghetti ala Casa“ planen wir unsere Aktivitäten. Schnell stellen wir fest, dass wir es hier gut auch zwei Wochen aushalten können. Nach 4 Monaten ist man halt manchmal ein wenig reisemüde und hier in unserem gemütlichen Apartment hoch über der Stadt, gefällt es uns zu gut, um gleich weiter zu ziehen.

Kathedrale, Quetzaltenango, Guatemala

Kathedrale, Quetzaltenango, Guatemala

Bilder zu Xela

Erstmal müssen wir sowieso nach Mexiko, da unsere Aufenthaltsdauer abläuft.

Link: Kurz mal nach Mexiko

Und dann ist Xela das ideale Basislager für Vulkanbesteigungen und Ausflüge in die Bergdörfer, mit ihren unterschiedlichen Sehenswürdigkeiten.

In San Andres Xecul steht eine Kirche aus dem 17. Jahrhundert, deren farbenfrohe Fassade die Symbolik des Christentums mit der der Maya-Kultur vermischt. Neben den Tier- und Pflanzensymbolen steuerten die Mayas die traditionellen Farben bei: Gelb für die Fruchtbarkeit, Blau für das Wasser, Rot für die Sonne und Weiß für den Mond und Grün für den Weltenbaum. San Andres Xecul ist gut per Chickenbus und Pickup erreichbar. Die Ayudantes im Bus zeigen, an welcher Kreuzung umgestiegen wird.

Stilmix, Kirche in San Andres Xecul, bei Quetzaltenango, Guatemala

Stilmix, Kirche in San Andres Xecul, bei Quetzaltenango, Guatemala

Bilder zu San Andres Xecul

San Francisco El Alto ist bekannt für seinen Markt, der freitags stattfindet. Das ganze Zentrum des hochgelegenen Städtchens verwandelt sich in ein buntes Treiben von Schlendern, Schauen, Handeln und Feilschen. Jeder Quadratmeter ist mit Gebrauchsartikeln aller möglicher Art belegt. Die Bewohner des Hochlands decken sich hier mit allem Notwendigen ein. Dazu gehören auch Kühe, Schweine, Ziegen, Hühner und anderes Getier, die auf einem separaten Teil des Marktes gehandelt werden.

Vieh-Markt in San Francisco El Alto, bei Quetzaltenango, Guatemala

Vieh-Markt in San Francisco El Alto, bei Quetzaltenango, Guatemala

Bilder zu San Francisco El Alto

Die Laguna Chicabal ist eine Kultstätte der Maya im Krater des Vulkans Chicabal. Noch heute wird sie für Zeremonien genutzt, um den Segen der Götter zu erbitten. Zahlreiche Altäre rund um die Lagune und kunstvolle Blumengestecke am Uferrand geben davon Zeugnis. Oft rollen am späten Morgen Wolken über die fast 3000 m hohe Kraterwand und verleihen der Lagune, deren Wasser sonst in der Sonne tief grün schimmert, eine mystische, bleigraue Atmosphäre.
Zu erreichen ist die Laguna per Minivan bis San Martin, La Estanzia und ab da mit dem Pickup bis zur Laguna Seca, dem Eingang zum Park.

Laguna Chicabal, Toj Mech, San Martin, nahe Quetzaltenango, Guatemala

Laguna Chicabal, Toj Mech, San Martin, nahe Quetzaltenango, Guatemala

Bilder zu Laguna Chicabal

In der Casa Xelaju werden wir schnell in die „kleine Familie“ aus Lehrern, Hausmeistern und Sekretärin aufgenommen und eingeladen, an den Annehmlichkeiten des Schulalltages teilzuhaben. So stammt z.B. der Kaffee für die Studenten von der Plantage eines Hausmeisters und der ganze Fertigungsprozess wird vom Personal hier durchgeführt. „Alles ist Handarbeit“, verkündet Carlos lachend und zeigt uns den Platz, wo die getrockneten grünen Kaffeebohnen gestampft werden, damit die Schalen abfallen. Danach werden sie im Ofen geröstet und in der Kaffeemühle gemahlen. Wir können uns ruhig immer Kaffee holen, wenn wir welchen möchten. Das machen wir gern, zumal er wirklich sehr aromatisch schmeckt. So werden wir beim morgendlichen “ Kaffeeholen“ immer gefragt, ob wir etwas brauchen, was wir vorhaben und ob sie helfen können. Wir fühlen uns wohl.

Als wir beschließen auf den Vulkan Santa Maria zu steigen, um von dort den Sonnenaufgang und die Eruptionen des Santiaguito zu sehen, helfen sie uns mit Auto und Führer. Die Agenturen hier vor Ort bieten die Tour nur als Morgentour ( Start 5.00 Uhr oder 6.00 Uhr) an. Doch bis der Gipfel erricht ist, ist die beste Zeit für Fotos schon vorbei.

Wir starten unsere Tour um 1.30 Uhr, damit wir es zum Sonnenaufgang bis zum Gipfel auf 3772m schaffen. Vier anstrengende Stunden liegen vor uns. Mit Stirnlampen beginnen wir den langen, steilen Aufstieg in der Dunkelheit. Es ist anstrengend, denn der Pfad ist stellenweise überfroren und man muss sich sehr konzentrieren, damit man nicht abrutscht. In der absoluten Stille hören wir nur unsere eigenen Atemzüge. Bei unseren kleinen Pausen bewundern wir den Sternenhimmel über uns. Es geht höher und höher, der Pfad wird immer steiler und windet sich kaum sichtbar zwischen Steinbrocken nach oben.

Birgit: Als ich einen Moment unkonzentriert bin, stoße ich heftig mit meinem Kopf gegen einen Baumstamm, der wie eine hohe Brücke über dem Weg lag. Als etwas später leichte Kopfschmerzen einsetzen, beschließe ich das letzte Stück nicht weiter aufzusteigen und mich lieber etwas auszuruhen. Bernd lässt mir den heißen Tee und seine Daunenjacke da und steigt mit dem Guide weiter auf. Noch eine Stunde, dann geht die Sonne auf. Später, als die Beiden wieder zurück sind, machen wir ein gemeinsames Morgenpicknick mit einem grandiosen Blick über den Talkessel. Ich bin wieder soweit fit und wir steigen ab.

Bernd: Mit gemischten Gefühlen lassen Rocael und ich Birgit auf ihrem Rastplatz zurück. Weiter aufsteigen ist für sie genauso wenig eine Option, wie gemeinsam in der Dunkelheit den Rückweg anzutreten. Also erscheint das Warten auf Tageslicht als die beste Alternative. Wir steigen weiter auf. Der Pfad wird steiler und die Gesteinsbrocken größer. Rocael legt ein Tempo vor, dem ich mit der Fotoausrüstung im Rucksack kaum folgen kann. Über 3000 m Höhe ist die Luft halt merklich dünner. Langsam färbt sich der Horizont in erst dunkles und dann helleres Blau. Die bessere Sicht erleichtert den Aufstieg. Als wir den Gipfel erreichen, zeigt sich ein erster heller Streifen am Horizont. Wir laufen zum Aussichtspunkt auf den tieferliegenden Santiaguito, um einen Blick auf eine seiner spektakulären Eruptionen zu erhaschen. Zu spät. Der aufkommende Wind vertreibt bereits die Gaswolke. Aber wir können einen Blick in den Krater mit der wabernden Lava werfen. Wenig später färbt sich der Himmel in ein Farbenspiel von Rot, Orange und Gold und die Sonne verwandelt die Spitzen der Vulkane in ein Schattenspiel. Ein letzter Blick auf die aufgehende Sonne und wir treten den Rückweg an, um Birgit nicht unnötig warten zu lassen.

Wohlbehalten kommen wir unten in der Wärme an und Gott sei Dank steht das Auto auch noch da. Das war die größte Sorge unseres Guides bezüglich des nächtlichen Aufbruchs und der unsicheren Gegend.

Blick vom Santa Maria, Quetzaltenango, Guatemala

Blick vom Santa Maria, Quetzaltenango, Guatemala

Bilder zu Santa Maria und Santiaguito

Die zwei Wochen in Xela sind wie im Flug vergangen. Am Sonntag bringt uns das Shuttle zurück nach Antigua. Die Tour auf den Acatenango wartet.

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