Tausend Meter tief im Krater – Lago de Atitlan

/// San Pedro de Laguna, Lago de Atitlan, Guatemala ///

Mit dem Shuttle kommen wir direkt von Antigua nach dreieinhalb Stunden in San Pedro la Laguna an. Fast alle Dörfer am See tragen „la Laguna“ im Namen. „La Laguna“ entstand durch einen riesigen Vulkanausbruch vor etwa 85.000 Jahren, der so viel Magma auswarf, dass die Oberfläche einbrach und den heutigen Lago de Atitlan schuf – umgeben von bis zu 1000 Meter hohen Steilwänden. Entsprechend abenteuerlich schlängelt sich die Straße, eine Aneinanderreihung von Schlaglöchern, denen die ermüdeten Stoßdämpfer unseres Minivans nichts entgegenzusetzen haben, von über 2500 Meter Höhe auf die Seehöhe bei 1500 m über dem Meeresspiegel.

bunte Vielfalt am Pana-Dock, San Pedro, Lago de Atitlan, Guatemala

bunte Vielfalt am Pana-Dock, San Pedro, Lago de Atitlan, Guatemala

Das Shuttle hält in der einzigen “ Hauptstraße“, die gerade so breit ist, dass zwei Tuk-Tuks vorsichtig manövrierend aneinander vorbeikommen. Der See schimmert in der Sonne türkisblau und er erscheint viel größer, als wir ihn uns vorgestellt haben. Zu unserem Glück finden wir auch noch ein freies Zimmer direkt am See. Wir sind zufrieden, kaufen wir uns ein Bier und setzen uns mit unseren zwei Plastikstühlen an den See. Rechts und links neben unserem Hostel wird die Wäsche im See gewaschen und auch die ganze Familie. Der Waschtag beginnt fröhlich jeden Tag gegen 7.00 Uhr. Das erspart den Wecker ;).

Waschtag, San Pedro La Laguna, Lago de Atitlan, Guatemala

Waschtag, San Pedro La Laguna, Lago de Atitlan, Guatemala

Was das für das Ökosystem des Sees bedeutet, möchten wir hier lieber nicht erörtern. Wenn man vorsichtig mit Einheimischen darüber spricht, wird achselzuckend gesagt, dass man das schon immer so macht. Alles Wasser wird aus dem See genommen, ausgenommen das zum Kochen. Und wahrscheinlich fließt auch alles in den See zurück. Da man einer alten Weisheit zu Folge die Dinge, die man nicht ändern kann, hinnehmen soll, genießen wir den unglaublich schönen Blick über den See zu den Bergen am anderen Ufer und erfreuen uns an der Fröhlichkeit der Leute. Wir sind angekommen und fühlen uns wohl. Die Atmosphäre ist sehr entspannt, die Uhren gehen hier deutlich langsamer. Viele kleine Restaurants und Straßenstände laden zum Essen ein- einheimische, koreanische, mexikanische Küche und noch viel mehr. Im Gegensatz zu Antigua auch deutlich budgetschonender. Es gibt sogar eine italienische Bäckerei mit exzellentem Weißbrot und Croissants.

vielfältige Angebote am "Gringo-Trail", San Pedro La Laguna, Lago de Atitlan, Guatemala

vielfältige Angebote am „Gringo-Trail“, San Pedro La Laguna, Lago de Atitlan, Guatemala

Den Ruf als „Party-Dorf“ können wir so nicht bestätigen. Sicher gibt es einen Strip mit ein paar Bars und Discos in der Nähe des „Pana-Docks“. Aber es gibt auch genügend ruhige Ecken, in denen man nichts davon hört.

So beschließen wir fürs Erste, dass wir es hier gut aushalten können. Wir planen jeden Tag ein anderes Dorf mit der Lancha zu besuchen. Die Lanchas, kleine Passagierboote mit Außenbordmotor, sind das Verkehrsmittel der Wahl am See. Etwa alle 20 Minuten oder wenn es voll ist, fährt ein Boot die Dörfer am See ab.

Pana-Dock, San Pedro, Lago de Atitlan, Guatemala

Pana-Dock, San Pedro, Lago de Atitlan, Guatemala

Da ist das esoterisch angehauchte San Marco La Laguna und das Weberdorf San Juan La Laguna.

wenn's nicht mehr weitergeht ...,mentaler Reset in San Marcos La Laguna, Lago de Atitlan, Guatemala

wenn’s nicht mehr weitergeht …,mentaler Reset in San Marcos La Laguna, Lago de Atitlan, Guatemala

 

Weberinnen der Kooperative, San Juan La Laguna, Lago de Atitlan, Guatemala

Weberinnen der Kooperative, San Juan La Laguna, Lago de Atitlan, Guatemala

Nur per Boot zu erreichen ist das Maya Dorf Santa Cruz La Laguna, 600m bergauf vom Anleger, mit seiner sehr alten Kirche und ihrer unglaublichen Atmosphäre. Die Kirche wird seit dem Erdbeben vor circa 300 Jahren sehr langsam wieder “ zusammengeflickt“, je nachdem wieviel Spendengelder zusammenkommen. Alle Figuren der aus Holz geschnitzten Heiligen wurden nach dem Erdbeben aus dem See geborgen und waren beschädigt. Nur die Heilige Maria war unversehrt und ist seit dem die Schutzpatronin des Ortes.

aus dem See gerettet, Santa Cruz La Laguna, Lago de Atitlan, Guatemala

aus dem See gerettet, Santa Cruz La Laguna, Lago de Atitlan, Guatemala

Dann gibt es den Hauptort Panajachel, kurz „Pana“ genannt – vielleicht zum Einkaufen gut, für uns jedoch ohne Flair.

der Touri-Strip von Pana, Panajachel, Lago de Atitlan, Guatemala

der Touri-Strip von Pana, Panajachel, Lago de Atitlan, Guatemala

Jedoch kommt man von Pana über neun steile Kilometer bergauf gut nach Solola, wo dienstags und freitags Markttag ist. Der lokale Markt ist sehr authentisch und kaum touristisch. Die Bewohner kommen am zeitigen Morgen aus den umliegenden Bergdörfern, alle in ihren bunten Trachten, um zu kaufen und zu verkaufen, was für den täglichen Gebrauch notwendig ist. Und so verwandelt sich der Platz in ein Farbenmeer. Jeder verfügbare Zentimeter wird genutzt um Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, Geflügel, Haushaltswaren und Kleidung feilzubieten. Es gibt alles, was das Herz begehrt.

Bauernmarkt, Sololá, Lago de Atitlan, Guatemala

Bauernmarkt, Sololá, Lago de Atitlan, Guatemala

reges Treiben, Bauernmarkt, Sololá, Lago de Atitlan, Guatemala

reges Treiben, Bauernmarkt, Sololá, Lago de Atitlan, Guatemala

Von San Pedro in südlicher Richtung mit der Lancha liegt Santiago Atitlan an einem schmalen Ausläufer des Sees. Hier wollen wir “ Maximón“ oder auch “ San Simon “ genannt, besuchen. Er ist eine im ganzen Hochland verehrte Gottheit- eine Verschmelzung aus Maya-Göttern, dem biblischen Judas und dem spanischen Konquistador Pedro de Alvarado. Ihm werden Opfergaben in Form von Alkohol, Zigaretten und Kerzen dargereicht, während man um seinen Segen bittet. Die Statue wohnt jedes Jahr in einem anderen Haus eines Mitglieds der religiösen Maya-Bruderschaft. Die Tuk-Tuk Fahrer wissen, wo „Er“ sich gerade aufhält und bringen einen gern dorthin (den Preis unbedingt vorher bei einem der vielen Polizisten erfragen!).

"Maximon" wird das Feuer gereicht, Santiago Atitlan, Lago de Atitlan, Guatemala

„Maximon“ wird das Feuer gereicht, Santiago Atitlan, Lago de Atitlan, Guatemala

Und schließlich sollte man auch unbedingt mal früh aufstehen (gegen 3:30 Uhr L ), um den Sonnenaufgang über dem See von der „Indian Nose“ aka „Maya Face“ zu bewundern. Das ist ein charakteristischer Aussichtspunkt gute 1000 Meter hoch über dem See, der spektakuläre Blicke auf die Vulkankette bis hinüber zum Fuego und Acatenango bei Antigua bietet. Das Schauspiel des heraufziehenden Morgens und der aufgehenden Sonne ist großartig und den 30 bis 45 minütigen steilen Aufstieg absolut wert. Um vier Uhr werden wir abgeholt und fahren ca. 40 Minuten bergauf. Dort erwartet uns unser Guide, der uns durch das schlafende Dorf hinaus zu einem steil ansteigenden Pfad führt. Noch in der Dunkelheit steigen wir auf. Als wir auf dem kleinen Plateau ankommen, zieren unzählige Sterne den Himmel über uns. Langsam verblassen sie und die Konturen der mächtigen Vulkane schälen sich aus der Dunkelheit. Schließlich schiebt sich die Sonne über den Kamm der Berge am gegenüberliegenden Ufer und taucht alles in ein unglaublich warmes Morgenlicht.

woher der Berg seinen Namen hat, Indian Nose, Lago de Atitlan, Guatemala

woher der Berg seinen Namen hat, Indian Nose, Lago de Atitlan, Guatemala

sun rise celebration, Indian Nose, Lago de Atitlan, Guatemala

sun rise celebration, Indian Nose, Lago de Atitlan, Guatemala

Nach knapp zwei Wochen am See verstehen wir sehr gut, dass man sich in die Gegend verlieben kann. So mancher Traveller bleibt viel länger, als ursprünglich gedacht. Auch wir reißen uns etwas schweren Herzens los, um nach Quetzaltenango weiterzureisen. Wir müssen unsere Aufenthaltserlaubnis für Guatemala verlängern und können von dort aus gut kurz mal nach Mexiko „ausreisen“.

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