El Tunco – it’s all about surf & party

/// El Tunco, El Salvador ///

Nach einer 10-stündigen Nachtfahrt im Minivan inklusive zwei Grenzübertritten durch einen „Umweg“ von Nicaragua über Honduras nach El Salvador spuckt uns der Bus am Office von Gecko-Tours in El Tunco aus. Wir wollten aufgrund der Sicherheitshinweise erstmal schauen, wie wir El Salvador empfinden und die sonst anstehende Weiterfahrt nach Guatemala (weitere fünf Stunden) unterbrechen.

An El Tunco scheiden sich die Geister. Das bekannteste Beach an der Costa del Balsamico wird als Surfer-Paradies geliebt, als Party-Beach gehasst, von Einheimischen am Wochenende überflutet. Tatsächlich ist El Tunco noch nicht auf dem Zenith, aber auf dem Weg dorthin. Geschätzte zwei Dutzend Hostels und Hotels sowie mindestens so viele kleine Restaurants und Bars drängen sich auf einem Areal von ein paar hundert Quadratmetern. Alles sehr übersichtlich. Etwa 400 m Beachfront, eine Parallel- und eine kleine Verbindungsstraße bilden das Hauptkonglomerat und dieses hat alles, was das Surfer-Herz begehrt: Hostels, Surf-shops, Restaurants und Bars. Natürlich auch für alle anderen Besucher.

Und dann ist da der Pazifik. Blau und unendlich weit. Weiter draußen sind die großen Breaks – nichts für Anfänger. An anderen Abschnitten brechen sich die Wellen unweit des teilweise steinigen Strandes. Lokale Könner und geübte oder übende Touristen reiten die herandonnernden Wogen. Kurzweilig für Akteure und Zuschauer.

Surfer, El Tunco, El Salvador

El Tunco, El Salvador

Am Strand geht es gemütlicher zu. Ganze Großfamilien machen Picknick, Pärchen suchen Zweisamkeit und bleiche Touristen wollen sich per Mittagssonne die Turbobräune holen. Dazwischen fliegende Händler aller Art.

Strandversorgung, El Tunco, El Salvador

Strandversorgung, El Tunco, El Salvador

Einzig die Austernfischer, die langsam im flachen Wasser den Strand ablaufen und ihre Netze auswerfen, erinnern noch an das ursprüngliche Fischerdorf El Tunco.

Austernfischer, El Tunco, El Salvador

Austernfischer, El Tunco, El Salvador

Am Abend trifft sich alles an der Beachfront zum Sonnenuntergang.

beach chill out, El Tunco, El Salvador

beach chill out, El Tunco, El Salvador

Läuft man über die Steinwälle westwärts bis zur nächsten Bucht, sieht die Welt ganz anders aus. Keine ausländischen Touristen. Palmblattgedeckte Strandhütten, Fischerboote, Fischer die ihre Netze vorbereiten. Ein paar Einheimische bevölkern den Strand.

nächste Bucht - andere Welt, El Tunco, El Salvador

nächste Bucht – andere Welt, El Tunco, El Salvador

In der Woche ist nichts los, am Wochenende verwandelt sich jede Hütte in ein provisorisches Strandrestaurant und die Parkplätze an der Strandstraße werden knapp. Das Ganze um zwei Potenzen gesteigert, soll auch im „Kerngebiet“ El Tuncos drohen.

Um dem zu entgehen, überlegen wir, nach El Zonte umzuziehen. In El Zonte soll es noch sehr ursprünglich zugehen, hat uns jemand erzählt. Eine Dreiviertelstunde mit dem Bus und zehn Minuten die Stichstraße hinunter – wir stehen am Strand von El Zonte. Jede Menge leerer Strand.

einsam, El Zonte beach, El Zonte, El Zonte, El Salvador

einsam, El Zonte beach, El Zonte, El Zonte, El Salvador

Es gibt aktuell drei oder vier Hostels in El Zonte, ein paar provisorische Mama-kocht-Restaurants und einen Surfshop. Das war’s. Idylle pur.

surf shop El Zonte, El Zonte, El Salvador

surf shop El Zonte, El Zonte, El Salvador

Aber leider alles ausgebucht. Der Bauboom im Dorf wird die Kapazitäten erweitern, aber für uns heißt es: zurück nach El Tunco.

Und dann kam das Wochenende und El Tunco verwandelte sich (Birgits Bericht):

Es ist eine Stunde nach Mitternacht, Freitagnacht. Die Techno-Bässe dröhnen vom Beach hoch in unser Zimmer, ich hasse laut und ich hasse Techno. Am Wochenende wird es in El Tunco immer etwas laut, steht im Reiseführer. Nach mittlerweile 10 Wochen Mittelamerika habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass „etwas laut“ nicht so schlimm ist. Jetzt, weit nach Mitternacht, muss ich feststellen, dass meine Lärmtoleranzschwelle eher gesunken, als gestiegen ist. Leise stehe ich auf, um Bernd nicht zu wecken. Ich beneide ihn ein wenig um seinen Schlaf und ziehe die Balkontür vorsichtig hinter mir zu. Hier draußen ist es deutlich wärmer als in unserem Zimmer, obwohl dort die Klimaanlage auf immerhin 25 Grad steht. Der Pazifik liegt als unendliche dunkle Fläche vor mir, darüber ein unbeschreiblich schöner Sternenhimmel, die Palmen wiegen sich in der sanften Brise. So könnte ein Platz im Paradies aussehen, natürlich ohne die hämmernden Bässe.

Aber in Wirklichkeit ist El Salvador weit von paradiesischen Zuständen entfernt. Das Land mit der höchsten Mordrate der Welt und einer halben bis zu einer Millionen Waffen, die im Umlauf sind, über 60% davon illegal. Dazu kommen immer mehr brutale Überfälle von kriminellen Gruppen auf Busfahrer im öffentlichen Nahverkehr, was das individuelle Reisen unvorhersehbar gefährlich macht. Seit 2014 hat sich die Zahl der gewaltbedingten Todesopfer mehr als verdoppelt. Hier in El Tunco bekommen wir von alldem nicht viel mit. Außer, dass unglaublich viele mit der Pumpgun bewaffnete Sicherheitsleute präsent sind, um das kleine Paradies zu schützen. Die Menschen hier sind unglaublich freundlich, hilfsbereit und entspannt. Eigentlich wollten wir noch ein Weilchen in El Salvador bleiben, trekken und die Dörfer auf der Routa de las Flores besuchen. Aber die Gespräche mit anderen Travelern, Einheimischen und die verschiedenen Sicherheitswarnungen haben uns unseren Plan ändern lassen. Wir werden von hier direkt mit dem Shuttle nach Guatemala fahren, zu unserem nächsten Ziel Antigua.

Plötzlich ist Stille- 1:30 Uhr, die Party ist zu Ende. Ich gehe zurück in unser Zimmer, schalte die Klimaanlage aus und mache die Balkontür weit auf. Beim Rauschen des Meeres und dem dumpfen Dröhnen einzelner Brandungswellen denke ich im Einschlafen: ein bisschen wie im Paradies ist es schon hier.

Am Sonntagnachmittag ist alles wieder vorbei. Die Wochenendgäste und Tagesausflügler haben El Tunco wieder verlassen. Ruhe zieht ein.

sunset surf, El Tunco, El Salvador

sunset surf, El Tunco, El Salvador

Wir bleiben noch ein paar Tage hier, genießen das Meer, das Wiegen der Palmen im Wind und die relaxte Atmosphäre hier im Ort, ehe wir nach Antigua weiterziehen.

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