Auf der Suche nach Bothrichies schlegeli

Cahuita, Costa Rica ///

Langsam wird es Zeit Abschied zu nehmen, die Neugier treibt uns weiter. Vor ca 15 Jahren waren wir schon einmal in Cahuita, an der Atlantikküste von Costa Rica. Da Cahuita nur 60 km von Bocas entfernt liegt, beschliessen einen Abstecher dorthin zu machen. Wir sind gespannt, wie sich das alte „Hippie-Dorf“ verändert hat. Damals hatte es auch ziemlich viel geregnet und da es keine Strassen gab, musste man sich vorsichtig zwischen megagroßen und tiefen Pfützen bewegen. Busse fuhren auch nur zwei Mal in der Woche nach San Jose, der Hauptstadt Costa Ricas.

Von Bocas del Toro setzen wir mit dem Wassertaxi nach Almirante über. Dort erwartet uns Eduardo, der uns und zwei weitere Fahrgäste mit seinem betagten Pickup-Taxi bis zur Grenze fährt. Panama entlässt uns mit Abnahme der Fingerabdrücke und Erkennungsfoto, wie bei der Einreise. Dann gehen wir zu Fuß über eine schmale ehemalige Eisenbahnbrücke über den Rio Sixaola, den Grenzfluss zwischen Panama und Costa Rica. In Costa Rica erhalten wir unseren Einreisestempel. Das war’s. Eduardo übergibt uns an seinen costaricanischen Kollegen zur Weiterbeförderung nach Cahuita, das wir eine Stunde später erreichen.

Brücke über den Sixaola-River zwischen Panama und Costa Rica, Grenze Panama - Costa Rica

Brücke über den Sixaola-River zwischen Panama und Costa Rica, Grenze Panama – Costa Rica

 

umladen zur Weiterfahrt nach Cahuita, Grenze Panama - Costa Rica

umladen zur Weiterfahrt nach Cahuita, Grenze Panama – Costa Rica

Es ist noch Cahuita, wie wir es kannten und wieder doch nicht. Ein Dorf im Hinterland. Kleine Häuser und Hütten. Verschlafen. Aber auch: Viel touristischer. Befestigte Straßen. Ein Busterminal. Heute fahren mehrere Buslinien und Shuttelbusse mehrmals am Tag zu verschiedenen Orten im Land. Es gibt richtige Strassen, Supermärkte und unzählige Hotels und Restaurants. Man kann Fahrräder und Mopeds ausleihen oder bei einem der zahlreichen Touranbietern eine Tour buchen. Cahuita ist deutlich größer geworden, hat es aber dabei geschafft, sich etwas von seinem Charme zu bewahren.

all about tourists,, Cahuita, Costa Rica

all about tourists,, Cahuita, Costa Rica

 

Cabanas Jenny, unverändert seit 1999, Cahuita, Costa Rica

Cabanas Jenny, unverändert seit 1999, Cahuita, Costa Rica

Damals waren wir vom angrenzenden Nationalpark sehr beeindruckt gewesen. Dort gab es unter anderem richtig giftige Vipern. Und genau diese leuchtend gelbe Viper wollten wir noch einmal in freier Natur sehen, Faultiere und Brüllaffen wären auch willkommen. Also brachen wir früh auf, um möglichst ungestört auf die Suche zu gehen. Von Ferne hören wir die Brüllaffen, aber von Schlangen und Faultieren keine Spur. Nach gut einer Stunde treffen wir einen Guide, der uns gleich fragte, ob wir „sie“ gesehen haben. Eine gelbe Viper, fragten wir zurück, nein, die haben wir leider nicht gesehen. Wir sollten ihm folgen. Zügig gingen wir eine Weile zurück. Und da lag „sie“, eine Greifschwanz-Lanzenotter (Bothrichies schlegeli, eyelash palm pitviper), ziemlich nah am Wegesrand- wie hatten wir sie übersehen können? „Weil ihr keine Guides seid“, lachte er und lief weiter. Nachdem wir „sie“ ausgiebig betrachtet und fotografiert hatten, veränderte die Schlange plötzlich ihre Position- den Kopf in unsere Richtung gestreckt, sah sie gar nicht mehr so friedlich und unbeteiligt aus. Diese Schlangenart ist gar nicht ungefährlich, da sie ihre Bissattacke nicht vorher ankündigt, wie andere Schlangen und plötzlich bis zur Hälfte ihrer Körperlänge nach vorn schnellen kann.. Häufig passieren deshalb Unfälle in Plantagen und bei Arbeiten im Dschungel, die nicht selten mit Amputationen und anderen schweren Schädigungen enden. Das Shooting war zu Ende, wir hatten verstanden und zogen uns zurück.

aufmerksam, Greifschwanz-Lanzen-Otter, Nationalpark, Cahuita, Costa Rica

aufmerksam, Greifschwanz-Lanzen-Otter, Nationalpark, Cahuita, Costa Rica

Unterwegs begegneten wir dann noch den frechen Affen, die Bernds Rucksack okkupierten und genau einem Faultier, das jedoch in seiner Ruhe nicht gestört werden wollte. Mittlerweile war es später Vormittag und Tourgruppen kamen uns entgegen, Zeit für uns den Park zu verlassen. Wir hatten „sie“ gesehen, dazu doch noch einige andere Tiere und mehr wollten wir in Cahuita auch nicht. Am Parkausgang spendeten wir für den Nationalparkt. Die Einnahmen kommen dem Ort zu gute. Der Ranger meinte, wir gehören zu den wenigen, die bei der Rückkehr etwas geben. Quasi als Dank zeigte er uns noch die graue Schwester unserer gelben Schönheit. Diese lag direkt neben dem Park-Office auf einem breiten Blatt malerisch ausgebreitet. Siesta. Aber wir sollten uns nicht täuschen lassen. Auch mit ihr wäre nicht gut Kirschen essen, meinte der Ranger. Am nächsten Morgen nahmen wir den Bus nach San Jose um von dort weiter nach Nicaragua, unserem nächsten Ziel, zu fahren.

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