don’t worry, be happy – Caribe de Panama

Archipelago Bocas del Toro, Panama

Unsere Reiselust und das Wetter trieben uns weiter nach Bocas del Toro an die Karibikküste. Es ist ein Archipel von vier größeren und einer Mehrzahl kleinerer Inseln. Auf der größten Insel, Isla Colon, hatte früher die Bananen-Company Chiquita ihr Hauptquartier. Im Inselinneren gibt es noch zahlreiche Bananenplantagen, auch wenn sich die Produktion heute mehrheitlich auf das Festland verlagert hat. Für die Plantagenarbeit wurden Arbeiter aus der Karibik nach Bocas del Toro gebracht. Das karibische Flair prägt noch heute die Stimmung auf den Inseln. Musik schallt aus den farbenfrohen Holzhäusern, die überwiegend dunkelhäutigen Bewohner gehen relaxt ihren Tagesgeschäften nach.

Bocas Town, Bocas del Toro, Panama

In den letzten Jahren hat sich insbesondere Bocas Town zu einem Magnet für vorwiegend einheimische Touristen und Backpacker aus aller Welt entwickelt. Dementsprechend gibt es eine gute Infrastruktur aus Hostels, kleinen Restaurants, Bars und Touranbietern. Und ein Dutzend von Chinesen betriebene “Supermercados“.

Wir waren im Monat der panamenischen Feiertage in Bocas gelandet. Anfang November dreht sich alles über Tage um die Unabhängigkeit von Kolumbien, danach um die Gründung der Provinz Bocas, dann die Unabhängigkeit von Spanien und noch weitere historische Höhepunkte. Das bedeutet: Fiestas überall. Panamenier feiern mit Paraden und Trommeln am Tage und lautstarken Festen in der Nacht (mannshohe Musikboxen gehören zur Ausstattung jedes Verkaufstands am Zentralplatz). Am nächsten Morgen werden Straßen und Plätze gesäubert in Vorbereitung auf die nächste Party-Nacht. Und so manch einer wird erst davon geweckt, dass der Besen am Kopf vorbeistreift….

with pride and love - Nationalstolz, Fiesta Patria, Bocas Town, Bocas del Toro, Panama

with pride and love – Nationalstolz, Fiesta Patria, Bocas Town, Bocas del Toro, Panama

Wir hatten vorsichtshalber unser Quartier mehr in der Innenstadt gewählt, etwas ferner vom Trubel. Das war eine gute Entscheidung gewesen. Ein kleines, feines Hostal mit nur drei Zimmern, einem schönen Garten und einer unglaublich netten Besitzerin. Felicitas hatte so viele Ideen, was wir unternehmen könnten, dass wir deutlich länger blieben, als geplant.

Mit den hauseigenen Fahrrädern erkundeten wir die Umgebung. Für die Tour nach Boca del Drago am anderen Inselende liehen sie uns ihre Mountainbikes, denn der Weg dahin war ein ständiges „Auf und Ab“. Das Inselinnere ist zwar dünn besiedelt, aber über Strecken führte uns unser Weg durch dichten Dschungel. Früher gab es keine asphaltierte Straße, dafür aber Faultiere, die von der Straße getragen wurden, damit sie nicht von einem der wenigen Autos überfahren werden. Jetzt ist es nicht mehr so romantisch- Busse von Touranbietern und Taxis liefern sich auf der asphaltierten Straße Wettrennen. Da heißt es: schön aufpassen und immer auf einen Überlebens-Sprung in den Straßengraben gefasst sein. Tiere haben wir keine gesehen, die haben sich sicher in den angrenzenden Dschungel zurückgezogen.

lazy afternoon, Boca del Drago, Bocas del Toro, Panama

lazy afternoon, Boca del Drago, Bocas del Toro, Panama

Boca del Drago ist nicht mehr als ein verschlafenes Dorf. Entlang der einzigen Straße aus Sand reihen sich einige Häuser, ein Restaurant und der Abfahrtsplatz der Boote zum Playa Estrella, dem Starfisch Beach. Zu viele Besucher, laute Boote und mangelndes Umweltbewusstsein haben allerdings die Seesterne überwiegend bereits aus ihrem angestammten Revier vertrieben. Übrig geblieben ist ein „Party-Strand“.
Wir nahmen wir ein Boot nach Bird Island“, eine ca. zehnminütige Fahrt von Boca del Drago entfernt. Bird Island ist ein gischt-umspülter, zerklüfteter Korallenfelsen mit dichter Vegetation. „Wet landing“ war angesagt. Über unebenen und rutschigen felsigen Boden tasteten wir uns vom Boot an Land. Die Kameraausrüstung wegen der hohen Brandung über dem Kopf balancieren, bemüht, nicht auszurutschen. Auf der kleinen Insel sind nistende Boobies, Fregattvögel und andere Vogelschönheiten aus nächster Nähe zu beobachten. Neugierig schauten die Jungvögel aus ihren Nestern auf uns Eindringlinge. Wir wurden jedoch schnell als ungefährlich eingestuft und nicht mehr beachtet. Und so hatten wir genügend Muße, sie zu beobachten und zu fotografieren. Ein wenig vergaßen wir die Zeit. Der Bootsführer gab uns schon Zeichen in Richtung Himmel. Sehr dunkle Wolken hatten sich zusammen geschoben und die See war auch schon unruhig geworden. Schnell gingen wir an Board und kamen noch vor dem Gewitter in Drago wieder an.

Bird Island, Boca del Drago, Bocas del Toro, Panama

Bird Island, Boca del Drago, Bocas del Toro, Panama

Da wir keine Lust auf die Rückfahrt mit den Rädern hatten, nahmen wir das nächste Kollektivo mit Dachgepäckträger nach Bocas zurück. Etwas unsportlich, aber dafür trocken. Als der schon gut gefüllte Kleinbus unterwegs noch von einer fast kompletten Fußballmannschaft geentert wurde, die nach ihrem Match zurück nach Bocas wollte, wurde es richtig gemütlich. Keiner konnte sich mehr bewegen, aber Lachen und Späße im Bus. Zentralamerika halt.

Auf Vermittlung von Felicitas sind wir mit Rutilio, dem Dorfvorsteher einer indigenen Community der Ngoobe verabredet. Mit seinem Boot fahren wir zu seinem Dorf und später zu einer Höhle , die er vor mehr als 10 Jahren entdeckt hat. Rutilio zeigt uns stolz die Schule, die mit Unterstützung der „Gringo-Community“ von Bocas gebaut und betrieben wird. Volontäre, vorwiegend aus den USA, helfen mit, den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten. Mittlerweile wird hier für die Kinder, die von den ganzen umliegenden Inseln früh mit dem „Schulboot“ kommen, jeden Tag zu Mittag gekocht. Der Transfer zur Schule wird vom Staat bezahlt und es gibt auch für die Grundschüler einen Zuschuss zum Mittagessen. Über diese neuen Maßnahmen ist Rutilio froh, denn die indigene Bevölkerung hier ist arm und sie leben völlig autark. Sie versuchen jetzt mit einem Zusammenschluss der verschiedenen indigenen Gruppen einen sanften Tourismus aufzubauen. Mit den eingenommenen Geldern schicken sie ihre besten Schüler zur Universität oder auf eine Fachschule, damit sie später z. B. als Ärztin, Krankenschwester oder Lehrer in der Community arbeiten. Wir fahren weiter mit dem Boot zur Fledermaushöhle. Sobald wir die offene Bucht verlassen und in den Dschungel eintauchen, stellt Rutilio den Motor ab. Es geht leise weiter per Paddel. Eine himmlische Stille, nur unterbrochen von gelegentlichen exotischen Lauten unsichtbarer Tiere. Plötzlich zeigt Rutilio nach oben- ein Faultier hängt direkt über uns im Baum. Neugierig blickt es zu uns herab. Als es sich ein wenig bewegt, sehen wir ein Babyfaultier auf seinem Bauch liegen. Ein seltener Anblick, auch für unseren Guide. Wir wollen nicht zu lange stören und fahren weiter.

und so geht die Babyschaukel ..., Humedale de San San Pond Sak, Bocas del Torro, Panama

und so geht die Babyschaukel …, Humedale de San San Pond Sak, Bocas del Torro, Panama

Auf dem Weg zur Höhle finden wir winzige orangene Frösche. Sie gehören zu den Pfeilgiftröschen. Hier um Bocas del Toro hat jede Insel eine andersfarbige Froschpopulation- gold, grün, rot und orange. Die Pfeilgiftrösche sind winzig und ziemlich flink. Es gibt über 100 verschiedene Arten, jedoch nur drei von ihnen sind mit ihrem curareähnlichem Gift wirklich gefährlich. Diese drei Arten leben in Kolumbien. Allerdings sollte man die hiesigen Frösche auch nicht berühren, da das zu allergischen Hautreaktionen führen kann.

Pfeilgiftfrosch, Bahia Honda, Bocas del Toro, Panama

Pfeilgiftfrosch, Bahia Honda, Bocas del Toro, Panama

Wir sind am Höhleneingang angekommen und schalten unsere Stirnlampen ein. Das Wasser geht uns bis zu den Knien, es ist rutschig. Wir sollten aufpassen, wo wir uns festhalten, meinte Rutilio. Na an der Wand, wo sonst, dachte ich bei mir. In dem Moment fällt das Licht meiner Stirnlampe auf ein Riesenexemplar einer Höhlenspinne, gleich neben meiner Hand. Jetzt weiß ich, was Rutilio meinte. Wir machen das Licht aus- es ist unheimlich, Fledermäuse fliegen über unsere Köpfe, wir bemerken nur den Luftzug. Ich stehe ziemlich starr, da ich nun auch noch weiß, das ich von Höhlenspinnen umgeben bin. Wir schalten unsere Lampen wieder ein, ein wenig Kraxelei liegt vor uns. Auf einem Felsvorsprung angekommen, fotografiert Bernd mit Hingabe die Spinnenfamilien. Rutilio meint, dass es ab hier im brusttiefen Wasser weitergeht. Da ich das Gefühl habe, das mit jedem zurückgelegten Meter in das Innere der Höhle die Anzahl der Spinnen exponentiell zunimmt, beschließe ich nicht weiter zu gehen. Rutilio und Bernd lächeln verständnisvoll und kehren mit mir um. Der Rückweg war gefühlt viel schneller als der Hinweg, Höhlenforscher würde ich niemals werden wollen.

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