Galapagos – Im Versuchslabor von Mutter Natur 5 – Isla Isabela

Galapagos-Inseln, Ecuador, März 2016

Isla Isabela – die „Relaxte“

Die Insel hat ihren Namen nach Isabella, der spanischen Königin, die die Entdeckungsfahrten von Christoph Kolumbus finanziell unterstützt hat. Wir tauften Isla Isabela gleich am Anfang „die Relaxte“. Sie empfängt uns 9.00 Uhr in der Früh mit Sonnenschein und einem sanften Wind, welcher angenehm die Haut kühlt. Was für ein Genuss. Ein Pick-up-Taxi bringt uns in das kleine Zentrum. Die Hauptstraße ist aus feinem Sand, kaum Autos und Menschen sind zu sehen. Dafür aber ein schier endlos langer weißer Sandstrand und Palmen. Wir lassen unser Gepäck im ersten Hotel, das leider kein Zimmer mehr frei hatte. Die Zimmersuche gestaltet sich etwas schwieriger, als angenommen. Vorbuchen war von Floreana aus nicht möglich gewesen, da es kein Internet gab. Außerdem wollen wir doch direkt am Meer wohnen und auch noch zu einem bezahlbaren Preis. Die kleinen Hotels sind entweder voll belegt oder wollen einen 5-Sterne-Preis für 2-Sterne-Niveau. Aber am Ende des Nachmittags haben wir Glück. Ein Hostal direkt am Stand, sogar mit Küchenbenutzung. Wir checken ein, holen unser Gepäck und genießen bei einem kühlen Bier den traumhaften Blick, das Rauschen des Meeres und den aufgehenden Vollmond.

Der nächste Morgen geht mit Schwimmen im Pazifik, einem entspannten, selbstkreierten Frühstück auf den Bänken vor dem Haus und einem ausgedehnten Strandspaziergang in den Nachmittag über. Hier kann man nicht eben mal schnell den Strand entlang laufen. Es gibt einfach zu viel zu sehen und zu fotografieren.

Es ist Ebbe. Der breite weiße Strand ist so gut wie menschenleer. Kolonien von Blaufuß-Tölpeln bevölkern die strandnahen Felsen oder stürzen sich in großen Gruppen zum Fischen ins Meer. Dazwischen tummeln sich Pelikane und Seelöwen. Die kleinen Galapagos-Pinguine stehen auf ihren Felsen und schauen gelassen dem geschäftigen Treiben zu. In der Vormittagssonne liegen Marine-Iguanas zum Aufwärmen, andere überqueren gemächlich vom Meer kommend den Strand. Exotische Idylle pur!

Diesen Morgenspaziergang gönnen wir uns dann jeden Tag, denn die Temperaturen bleiben bei 35° Celsius. Und so wollen wir weder ein Vulkan-Trekking noch Fahrradtouren ins Inselinnere unternehmen. Statt dessen lieber ins kühle Nass. Glücklicherweise gibt es direkt neben dem Hafen die „Concha y Perla“, eine tolle Lagune zum Schnorcheln. Direkt vor der Haustür, nur 10 Minuten von unserem Hostal entfernt, können wir Schildkröten, Mantas, Seelöwen und Schwärme tropischer Fische beobachten.

Nachdem wir „Las Tintoreras“, eine Inselgruppe vor Isabela, schon im Rahmen der Cruise besucht hatten, entscheiden wir uns für einen Ausflug zu „Los Tuneles“, der anderen Hauptattraktion von Isabela.

Genau an diesem Tag zeigt uns das Inselwetter, dass ein traumschöner Morgen noch lange nichts zu sagen hat. Um 11 Uhr ist Treffpunkt im Office. So gegen 12 Uhr sind dann endlich alle von den diversen Hostels „eingesammelt“ und wir fahren das kurze Stück zum Hafen. Wie schon so oft vergrößert sich die Gruppengröße. Statt der versprochenen 8 bis 12 Personen sind wir bei der Abfahrt 18 (!), was die Kapazität des Bootes für unsere Begriffe etwas überschreitet. Naja, wir wollen ja nicht darauf wohnen! Die Sonne sticht, es bilden sich Gewitterwolken am Horizont und wir sitzen, schwitzen und warten. Der Kapitän zuckt die Schultern. Der Guide ist nicht gekommen. Ohne Guide keine Tour, so sind die Regeln. Wer dagegen verstößt, verliert seine Lizenz. Und außerdem ist heute Sonntag, da haben halt alle gern mal frei!

Plötzlich springt ein athletisch gebauter junger Mann mit dunklen Locken, Sonnenbrille, und meterlangen Flossen im Gepäck, zu uns an Bord. Mit breitem Lächeln stelle er sich als Manuel vor, unser Guide für heute. Unsere Agency hatte ihn abgefangen, als er von einer Dive Tour zurückkam, die er als Tauch-Guide begleitet hatte. Na, dann kann es ja losgehen.

Mit 400 PS jagt der Skipper das Boot entlang der Küste in Richtung Westen. Auf der Insel sind die Kegel erloschener Vulkane gut zu sehen. Dieser Teil von Isabella ist mit dichtem Grün bedeckt.

Nach ca. 40 Minuten schwenkt der Käpt’n in Richtung Küste, wir werden langsamer. Der viel gepriesene Schnorchel-Spot liegt vor uns. Einzelne Felsen ragen aus dem Wasser, mitunter mit Kakteen bewachsen. Teilweise bilden sie kleine Lagunen. Zum Land hin hat sich ein dichter Gürtel aus Mangroven angesiedelt. Und da waren sie wieder- unsere „Freunde“, die Pferdebremsen. Als wären wir die ersten Touristen seit Wochen, stürzen sie sich auf uns. Jetzt aber schnell ins Wasser!

Im Wasser haben wir durch die aufkommende Flut leider nur eine Sicht von ein bis zwei Metern. Manuel und der Skipper geben sich redlich Mühe, uns die Highlights vorzuführen: Eine Schildkröte! Noch eine Schildkröte! Noch eine Schildkröte! Vielleicht ist es auch immer dieselbe? Aber dann-ein Rochen. Es ist ein Sting-Ray von fast zwei Metern Durchmesser. Von so einem wurde Steve Irvin, der „Crocodile Hunter“, 2006 bei seinen Arbeiten zu einer neuen Fernseh-Serie ins Herz gestochen, als er über ihm schwamm.

Dann sehen wir noch zwei Weißspitzen-Riffhaie in einer Unterwasser-Grotte und schließlich entdeckt Manuel noch ein Seepferdchen. Normalerweise verstecken sie sich in den Mangroven und sind kaum zu sehen.

Zurück an Bord auf dem Weg zum zweiten Spot erklärt Manuel: „Schnorchelsachen braucht Ihr nicht mehr. Wir haben ja jetzt alles gesehen.“ Wie bitte? Aber anscheinend sind wir die Einzigen, die gerne noch mal an anderer Stelle geschnorchelt hätten. Leider keine Chance. Nun kommen wir zu Los Tuneles, wie man sie sich vorstellt. Bizarre Felsen stehen im flachen Wasser, bilden teilweise Brücken und Tunnel. Manche sind mit bizarren Kakteen bewachsen. Kakteen auf dem Wasser? Ja, hier treffen sich zwei ansonsten völlig getrennte Habitate. Trotz Meer sind Luft und Boden (Felsen) so trocken, dass sich die Kakteen hier wohlfühlen. Beim Erkunden des Terrains sehen wir mehrere Schildkröten und viele Fische im hier glasklaren (!) Wasser. Wahrscheinlich gibt es noch mehr zu entdecken. Davon abgesehen, wäre es total cool durch die Tunnel und Brücke zu tauchen, davon hatten uns andere schon erzählt. Aber Manuel will nach Hause! Über der Insel haben sich derweil die dunklen Wolken richtig zusammengebraut und hängen an den Spitzen der Vulkankegel fest. Wir machen uns auf den Rückweg als die ersten Blitze zu zucken beginnen.

Der Wind hat aufgefrischt und unser Kahn schaukelt beachtlich. Erste blasse Gesichter. Also mit voller Kraft zurück zum Hafen. Plötzlich ist das Gewitter über uns. Es schüttet wie aus Feuerwehrschläuchen. Der Wind treibt das Wasser auch unter die Plane. In Minuten sind wir durchnässt. Das Boot tanzt wie eine Nussschale auf den Wellen. Das gibt eine kleine Vorstellung, wie es sein mag, den Gewalten der Natur ausgeliefert zu sein. Unser Skipper steuert gelassen gegen die Böen und die ziemlich hohen Wellen an. Nach ca. 15 Minuten beruhigen sich die Elemente. Kurz darauf sind wir auch schon in der Marina. Als wäre nichts geschehen, hat die Sonne wieder die Regie übernommen. Alles in allem ein spannender Ausflug.

An unserem letzten Tag auf Isabela war der Himmel azurblau und wolkenlos. Das Meer schimmerte türkisfarben und ein leichter Wind strich über die Haut. Wir wollten noch so viel wie möglich vom „Insel-Gefühl“ aufnehmen. So beschlossen wir, doch ins Inselinnere zur „Muro de las Lágrimas“, zur „Mauer der Tränen“, zu wandern. Wir wollten noch einen anderen Eindruck von Isabela bekommen. Zuerst ging es eine Stunde am Strand entlang, ehe der Weg ins Buschland abzweigte. Riesige Landschildkröten, einzigartig auf den Galapagos, leben hier in Freiheit. Direkt am Wegesrand kann man sie beim Fressen beobachten. Zwei Aussichtspunkte lagen auch auf unserer Route, an deren Ende die von Häftlingen gebaute Mauer stand. Von 1946 bis 1959 gab es hier auf Isabela eine Strafkolonie. Der Polizeichef der Insel zwang die Gefangenen, die barfüßig und aneinander gekettet waren, zur Errichtung der 8m hohen und 80m langen Mauer aus Basaltbrocken. Bis heute steht sie zum Gedenken an die gestorbenen Gefangenen.

Von den Aussichtspunkten hat man einen fantastischen Blick über die Küste und das Innere der Insel, das einem Dschungel gleicht. Die Abendsonne verschwindet langsam hinter einer Wolkendecke. Wir bleiben noch einen kurzen Moment auf dem Mirador, um uns von Isabela, der Relaxten und Schönen, zu verabschieden.

Der Abschied fällt echt schwer, aber schließlich wollen wir wenigstens noch einen kleinen Abstecher zur vierten bewohnten Insel San Cristobal machen–sozusagen der Vollständigkeit halber.

Hauptstraße, Puerto Villamil - Isla Isabela, Galapagos, Ecuador

Hauptstraße, Puerto Villamil – Isla Isabela, Galapagos, Ecuador

Beach Puerto Villamil - Isla Isabela, Galapagos, Ecuador

Beach Puerto Villamil – Isla Isabela, Galapagos, Ecuador

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