Arequipa – die weiße Stadt

Arequipa, Peru, November 2015

Arequipa: Weltkulturerbe, „weiße Stadt des ewigen Frühlings“. Das klang so verheißungsvoll, dass wir die Stadt zu unserem eigentlichen Ausgangspunkt für unsere Südamerikatour wählten, wollten wir doch vom Herbst in den Frühling.

Ob der Beiname „weiße Stadt“ aufgrund des weißen Sillargesteins vulkanischen Ursprungs als Baustoff kam, oder wohl eher, weil nur die weißen Eroberer in der Stadt wohnen durften, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Auf alle Fälle erstrahlt das alte Zentrum der mittlerweile knapp eine Millionen Einwohner zählenden zweitgrößten Stadt Perus in hellem Glanz. Gegründet 1540, liegt die Stadt auf 2300m über dem Meeresspiegel. Im Durchschnitt gibt es täglich bis zu 12 kleine Erdbeben, die wir allerdings nicht registriert haben. Die Einwohner leben entspannt mit den Erdbeben, nicht zuletzt, weil beim letzten großen Erdbeben 2001 mit einer Stärke von 8,4 nur wenige Opfer zu beklagen waren.

Die imposante Kathedrale, hinter der sich die weißen Gipfel der Vulkane erheben, ist einzigartig in Peru, da sie die gesamte Seite der „Plaza de Armas“ einnimmt.

„Plaza de Armas“, der Treffpunkt schlechthin. Egal ob es von dort zum Essen oder in eine Bar geht, man den Kindern beim Füttern der Tauben zusieht, den Verlobten trifft oder einfach nur das „mittendrin“ genießt. Die engen Straßen des Zentrum um die Plaza sind weitestgehend für den Autoverkehr gesperrt. Dafür staut es sich zu den Hauptverkehrszeiten auf den anliegenden Straßen gewaltig. Vorwiegend Polizistinnen in ihren gut sitzenden Uniformen versuchen, das Chaos zu beherrschen. Wichtigstes Utensil ist die Trillerpfeife. Und so vermischen sich in den frühen Morgenstunden und abends Trillerpfeifen, Hupkonzerte, Sondersignale zu einem unerwarteten Verkehrslärm. Dazu kommt bei Inversionswetterlage Smog, was die Idylle manchmal etwas trübt. Die Erkundung der Altstadt geht nur zu Fuß, was durch die engen Gassen mit ihren vielen kleinen Läden und Restaurants viel Spaß macht. Wenn man Zeit hat, kann man jeden Tag etwas Neues entdecken. Wenn wenig Zeit ist, sollte man sich einen professionellen Tourguide aus einer der vielen Agenturen nehmen. (Die „free walking tour“, eine studentische Stadtführung, die von der Plaza de Armas startet, ist zwar nett, vermittelt aber kaum etwas über die Geschichte und das Leben in der Stadt. Damit ist sie leider anders als z.B. in Valparaiso oder La Paz. Der Rundgang hat eher den Charakter einer Verkaufsveranstaltung mit Besuch diverser Läden und einer Bar. Am Ende werden ca. 5 $ pro Person erwartet.)

Ein absolutes Muss ist die Besichtigung der Kathedrale, wenn möglich Samstag von 17.00 bis 18.00 Uhr, da dann der Organist auf der imposanten niederländischen Orgel seine Übungsstunde hat. Der Klang ist wirklich beeindruckend.

Das zweite „Muss“ ist der Besuch des Klosters Santa Catalina, insbesondere am Dienstag und Donnerstag, denn an diesen Tagen ist das Kloster bis 20.00 Uhr geöffnet. Das bedeutet für die Fotografen, dass sowohl das Tageslicht als auch das beginnende Abendlicht ab 17.00 Uhr genutzt werden können. Später lädt dann die Abendstimmung mit Kerzen und offenen Feuern in den Klosterzellen und Höfen zum Träumen ein. Durch die Ruhe und mystische Stimmung fühlt man sich in das Mittelalter zurück versetzt, zumal das Kloster im Baustil einem kleinen Dorf ähnelt. Es wurde 1579 gegründet und umfasst eine Fläche von etwa 20.000 Quadratmetern. Der damaligen Tradition folgend, musste jeweils die zweite Tochter im Haushalt Nonne werden. Santa Catalina akzeptierte nur Kandidatinnen aus wohlhabenden Familien. So lebten zeitweise 150 Nonnen mit 300 Bediensteten weit ungezwungener im Kloster, als es den Regeln entsprach. Das kam auch dem Papst zu Ohren und so entsandte er 1871 eine regeltreue Dominikanerin nach Santa Catalina, um das Kloster zu reformieren. Die üppige Aussteuer ging zurück nach Europa, Dienstboten wurden entlassen, Sklavinnen wurde die Freiheit geschenkt und die Nonnen vor die Wahl gestellt, entweder nach den strengen Regeln im Konvent zu leben oder das Kloster zu verlassen. Dies hat das Klosterleben für immer verändert. Heute leben noch 20 Nonnen im abgeschlossenen Seitentrakt im Konvent.

Museen gibt es viele in Arequipa, das kann und muss jeder nach seinem Gusto und der vorhandenen Zeit entscheiden.

Die Küche in Arequipa ist vielfältig. Es gibt viele Restaurants, die in der Mittagszeit „Almuerza“, ein Mittagessen als Menü zum kleinen Preis anbieten. Das bietet die Chance, die einheimische Küche zu probieren. Wenn es mal nicht  schmeckt, dann gibt es an der nächsten Ecke mit Sicherheit eine Pizza oder ein Sandwich. Problematisch kann die Hygiene im Küchenbereich werden, besonders bei Mittagsküchen im Niedrigpreissegment, auch in den Straßen um die Plaza de Armas. Wer dort essen möchte, sollte sich streng an die Regel „cook it, peel it or leave it“ halten, zumal das Leitungswasser in Arequipa definitiv keine Trinkwasserqualität hat. Die billigen Küchen arbeiten bei der Speisezubereitung (insbesondere bei Salaten und Säften) fast immer mit Leitungswasser.

Arequipa eignet sich auch hervorragend als Startpunkt einer längeren Reise, wenn man zunächst etwas Spanisch lernen will. Wir haben uns alle Sprachschulen angesehen und uns für die Arequipa Spanisch Language School im Hotel „Casa de Avila“ entschieden. (siehe Tipp). Im Gegensatz zu allen anderen Schulen, die wir uns angeschaut haben, findet hier der Unterricht im Garten auf dem Hotelgelände statt. Privatunterricht oder Zweiergruppen zu unschlagbaren Preisen. Ruhig und sicher wohnen kann man praktischer Weise auch gleich im Hotel, das Zentrum ist nur 10 Minuten zu Fuß entfernt.

Wir haben am Anfang direkt im Zentrum im Hotel „Casona Terrace“ gewohnt. Erst 2012 durch Erweiterung eines alten Kolonialbaus als Hotel eingerichtet, liegt es nur einen Block von der Plaza de Armas entfernt. Die Zimmer sind sehr schön eingerichtet. Andererseits aber ist es auch recht laut, nicht zuletzt wegen der vielen Gruppen. Da waren die Ruhe und das Frühstück im Garten im Hotel Casa de Avila doch echter Luxus.

Arequipa ist auch der Ausgangspunkt zum „Colca-Canyon“. Es gibt unzählige Agenturen, die den Trek anbieten, unbedingt mehrere vergleichen.

Wenn man selbst einen Ausflug machen möchte, steht einem das Tourismusbüro an der Plaza de Armas mit vielen guten Ideen und Kartenmaterial hilfreich zur Seite. Z.B. „Ein Tag in Yura“, siehe dort

 

Kathedrale von Arequipa

die Kathedrale von Arequipa, erbaut aus weißem Sillar-Gestein, dominiert die Plaza de Armas

 

Plaza de Armas - Spielplatz und Heimstatt für Tausende von Tauben

Plaza de Armas – handzahm und immer hungrig – die Tauben auf der Plaza de Armas

Plaza de Armas

drei Seiten der Plaza de Armas sind von kolonialen Kolonnaden umgeben

Plaza de Armas - mobiles Schreibbüro, Diskussion des Anliegens und Beratung inklusive

Plaza de Armas – mobiles Schreibbüro, Diskussion des Anliegens und Beratung inklusive – wer ein wichtiges Anliegen schriftlich formuliert haben muss, wird an einer Seite der Plaza de Armas fündig: mobile Schreibbüros bieten hier ihre Dienste an

nächtliche Straßenszene in Arequipa

nächtliche Straßenszene in Arequipa – besonders morgens und abends sind Staus der Dauerzustand in den engen Straßen der historischen Innenstadt

Verkehrsregelung auf peruanisch

Verkehrsregelung auf peruanisch – scheint das offizielle Verkehrszeichen nicht wirksam genug, wird menschliche Verstärkung eingesetzt

 

Erster Hof im Kloster Santa Catalina

Erster Hof im Kloster Santa Catalina – Innerhalb der Klostermauern befindet sich eine eigene kleine Stadt mit verschachtelten Höfen und Gassen

Blick über das Kloster Santa Catalina

Blick über das Kloster Santa Catalina – eng verschachtelt drängen sich die ehemaligen Wohngebäude der wohlhabenden Nonnen

Straße im Kloster Santa Catalina

Straße im Kloster Santa Catalina – die älteste Straße im Kloster mit den typischen roten Gebäuden; ein Haus beherbergte jeweils eine Nonne mit ihren Bediensteten

Zelle im Kloster Santa Catalina

Zelle im Kloster Santa Catalina – die Schlafstätten der Nonnen befanden sich immer unter den Bögen der meterdicken Mauern – der sicherste Platz im Fall eines Erdbebens

Kloster Santa Catalina, Originaleinrichtung einer Zelle

Kloster Santa Catalina, Originaleinrichtung einer Zelle – geräumig und gut ausgestattet waren die „Zellen“ der Nonnen vor der Reformation des Klosters

Kloster Santa Catalina, Blick in den zweiten Hof

Kloster Santa Catalina, Blick in den zweiten Hof – die Inschrift mahnt zur Stille in den Klostermauern

Kloster Santa Catalina, Aufbahrungsgewölbe

Kloster Santa Catalina, Aufbahrungsgewölbe – die Särge der verstorbenen Nonnen wurden vor der Beerdigung in einem speziellen Gewölbe aufgebahrt

Kreuzgang im Kloster Santa Catalina

Kreuzgang im Kloster Santa Catalina – Wandbilder in den Kreuzgängen erzählen die biblische Geschichte

Zelle im Kloster Santa Catalina

Zelle im Kloster Santa Catalina – vor der Reformation des Klosters 1871 standen den Nonnen aus wohlhabendem Haus gut ausgestattete Wohnungen als „Klosterzelle“ zur Verfügung

Zelle im Kloster Santa Catalina

Zelle im Kloster Santa Catalina – die Zellen sind mit der Original-Einrichtung erhalten und werden abends mit Kerzen illuminiert

Abendstimmung im Kloster Santa Catalina

Abendstimmung im Kloster Santa Catalina – Kerzen bringen die Stimmung vergangener Jahrhunderte zurück

menu oder cocina economica - an jeder Ecke gibt es preiswerte Optionen für ein Mittagessen

menu oder cocina economica – an jeder Ecke gibt es preiswerte Optionen für ein Mittagessen – unzählige kleine Restaurants bieten eine Auswahl preiswerter Mittagessen – die menus del dia

Spanish Language School im Garten der Casa de Avila

entspanntes Lernen im Garten – die Spanish Language School im Hotel Casa de Avila, Privatunterricht Eins-zu-Eins oder in Zweier-Gruppen

Blick zum "Hausberg" Misti

Volcano Misti – eins der Wahrzeichen von Arequipa – von der Dachterrasse des “ Casona Terrace Hotels“ hat man einen fantastischen Blick auf den „Beschützer“ Arequipas- in der blauen Stunde scheint der 5825 m hohe Misti zum Greifen nah

schneebedeckt erhebt sich der Vulkan Chachani nördlich von Arequipa

schneebedeckt erhebt sich der Vulkan Chachani nördlich von Arequipa – vom 4. Stock des „Casona Terrace Hotels“ blickt man über die Stadt auf die Bergkette mit dem Vulkan Chachani

 

 

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